Die Extremadura: Ein Naturparadies im Westen Spaniens
Im Westen Spaniens, zwischen Portugal und "La Mancha" in Neukastilien liegt die Autonome Region Extremadura, eines der letzten Naturparadiese Europas. Im Norden wird das Gebiet vom Kastilischen Scheidegebirge, im Süden von der Sierra Morena begrenzt.
In dem knapp 42000 Quadratkilometer grossen Gebiet (etwa der Fläche der Schweiz entsprechend) leben nur circa eine Million Menschen, was die Extremadura zu einer der am dünnsten besiedelten Regionen Europas macht.
Die ausgedehnten Ebenen von Cáceres und Badajoz, die Alta (Hohe) und die Baja (Niedere) Extremadura, werden von zentralen Gebirgsketten, den Sierras: Las Villuercas, Montánchez und San Pedro getrennt. Die beiden grossen Flüsse Tajo und Guadiana durchfliessen sie von Ost nach West.
Das mediterrane Klima ist von milden Wintern und trockenen Sommern geprägt; wobei Extreme durch den Einfluss des Atlantiks abgedämpft werden. Da sie im Westen nicht durch Gebirge abgeschlossen ist, erreichen vom Meer kommende Regenwolken die Extremadura und verwandeln sie von Herbst bis Frühjahr in eine erst grüne, und später in vielen Farben blühende Landschaft.
Den Namen verdankt die Extremadura ihrer strategischen Lage: Während der Reconquista, der Rückeroberung, lag sie aus christlicher Sicht "extremo de Duero" also jenseits, südlich, des Flusses Duero. Sie stellte über Jahrhunderte das oft umkämpfte Grenzland zwischen maurischen Muselmanen und den Christen dar, wovon noch heute die zahlreichen Burgen und Befestigungsanlagen zeugen.
Berge, Flusstäler und weite Ebenen, das sind die Landschaften der Extremadura, mit Gipfeln von bis zu 2400 Metern Höhe und Senken von nur wenig mehr als 200 Metern über dem Meeresspiegel. Sie formen als Ganzes eines der letzten grossflächigen Naturparadiese Europas.
Extremadura - das ist ursprüngliche Natur-, aber auch jahrhundertealte vom Menschen gestaltete Kulturlandschaften. Unbeeinflusste Natur findet sich vor allem in unzugänglichen Bergregionen und schroffen Flusstälern, die letzte Rückzugsgebiete für einige der am stärksten gefährdeten Vertreter der europäischen Tierwelt darstellen. Während Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden extensiv bewirtschaftete Kulturlandschaften wie die Steineichenhudewälder, die "Dehesas", oder die Weide- und Getreidesteppen beherbergen eine fast noch reichere Vielfalt von Flora und Fauna.
Wälder, Buschländer und Dehesas werden von der natürlichen Vegetation der Extremadura geprägt und sind oft unverändert und in ausgedehnten Flächen erhalten; so z.B. in den "Parques Naturales", den staatlichen Naturreservaten Monfragüe und Cornalvo, in der Gegend La Vera, den Tälern von Jerte und Ambroz und in den Sierras de Gata, Las Villuercas, San Pedro, Hornachos, Jerez de los Caballeros und Tentudía.
Die floristisch ausserordentlich reichen Pflanzengesellschaften dieser Natur- und Kulturlandschaften stellen die letzten Bollwerke für zahlreiche gefährdete Tierarten wie den Spanischen Kaiseradler, den Mönchsgeier, den Schwarzstorch, den Iberischen Luchs und den Wolf dar. Die Kraniche Europas, die jedes Jahr in die Dehesas der Extremadura ziehen, um hier zu überwintern, sind Symbol dafür, dass Naturschutz keine Grenzen kennt und oft von der Bewahrung einer traditionellen, extensiven Landnutzung abhängig ist.
Offene Steppenlandschaften kennzeichnen die extensiven Weide- und Getreideanbaugebiete in den weiten Ebenen Extremaduras und sind am besten in den Llanos de Cáceres im Süden der gleichnamigen Provinz, und in den Landkreisen La Serena, La Campiña Sur der Provinz Badajoz und im Gebiet Rio Guadiana International ausgeprägt.
Die Grosstrappe ist der emblematischste Vogel der Steppengebiete Extremaduras, die 25% seines Weltbestandes beherbergen. Aber auch andere Vogelarten, die an offene Lebensräume angepasst sind, finden sich hier in hoher Zahle: Zwergtrappe, Spiess- und Sandflughuhn, Wiesenweihe und Rötelfalke, sowie viele weitere.
Flüsse und Stauseen bilden das "feuchte" Extremadura, dessen Rückgrat die Wässer des Tajo und des Guadiana sind. Die Talsperren von Valdecañas, Torrejón, Alcántara und Cedillo stauen den Flusslauf des Tajo, die von Borbollón, Gabriel y Galán, Salor und andere seine Zuflüsse. Im Einzugsgebiet des Guadiana befinden sich die Talsperren von Cijara, Puerto Peñas, Orellana, La Serena und Alange.
Verschiedenartigste Lebensformen bewohnen die Gewässer Extremaduras, darunter Fischarten, die ausschliesslich auf der Iberischen Halbinsel vorkommen, oder auf Wasserlebensräume spezialisierte Säugetiere wie der Fischotter, der noch in fast der gesamten Region häufig ist. Eine grosse Vielfalt an Wasservögeln nutzt die verschiedenen Feuchtgebiete als Brut -Zug- oder Überwinterungsstätten.
Städte und Dörfer stellen in der Extremadura durch verschiedene Kulturen geschaffene Lebensräume dar, in denen die Bevölkerung in enger Verbindung mit ihrer Geschichte lebt. Mérida, Hauptstadt der Autonomen Region, Cáceres und Badajoz sowie mehr als 500 weitere Orte bilden die städtische und dörfliche Umwelt, in der Initiativen für die nachhaltige Nutzung der Region entwickelt werden.
Über Jahrhunderte guter Nachbarschaft haben sich Weisstörche, Rötelfalken, Schleiereulen, Mehl- und Rauchschwalben, Mauersegler, Spatzen und Dohlen an die menschengeschaffene Umwelt angepasst und geben so ein gutes Beispiel für ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Natur.
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