Pino, seine Mama & ich

Pino, seine Mama & ich
1. Tag in Neapel „Die Zeremonie eines Espresso“
„In Italien gibt es keinen Espresso doppio, wir bestellen einfach einen Kaffee und bekommen ein kleines, heißes und vor allem starkes Gebräu – eben einen Espresso“, sagt Pino sinnierend in der Bar, als ich meinen stets bestellenden doppelten Espresso verteidigen will: „Aber da ist doch sowenig Kaffee drin, vielleicht können wir Deutsche uns einfach von der Kaffee-Kännchen-Gewohnheit nicht verabschieden.“ „Espresso doppio ist eine deutsche Erfindung“, holt Pino aus und schließt mit den allseits gewohnten Worten „Voi tedeschi“ ab. „Ja wir Deutschen haben vielleicht eine andere Vorstellung von Italien, eine Art romantisches Wunderland. Wir bekommen ein leuchtendes Gesicht bei Worten wie Spaghetti, Amore und Vino. Die Sehnsucht nach Dolce Vita und Dolce far niente – dem süßen Leben und dem süßen Nichtstun - ist ungebrochen, wir wollen uns diese sehnende Sucht nach Schönheiten nicht von der Realität nehmen lassen. Die italienische Sprache fließt genüsslich in unsere Ohren und sogar das Schimpfen, der meist italienischen Mamas, hört sich irgendwie beruhigend an. Kein Berlusconi, keine Streik-Müllberge, kein Touristennepp und kein misslauniger Kellner kann uns das schöne Italien-Traum(a)land in unserer „Romantik-Kopfsuite“ nehmen.
Also verabschiede ich mich von meinem doppelten Espresso.
Wir stehen in einer neapolitanischen (Cafe)Bar und sind „hin und weg“ von der Espresso-Zeremonie. Der „Barista“ nimmt die Tässchen aus einem kochenden Wasserbad und vor/verführt uns in die Kunst des richtigen „Kaffee Brauens“.
Der Kult-Kaffee wurde vor ca. 60 Jahren von Achilles Gaggia erfunden. Er presste einige Fingerhut Wasser mit einem Druck von 9 Bar durch 7 g gemahlenem Kaffee – der Espresso ward somit geboren. Ehrfurchtsvoll nippe ich an meinem Espresso. Ich schwöre, ich habe nie einen besseren getrunken. Diese Bar ist unweit vom Fischmarkt Neapels, in einer Seitengasse, im Zentrum nähe Hauptbahnhof und dem Piazza Garibaldi. Hier war auch unser Hotel, das Minotel Luna Rossa. Ein kleines, familiär geführtes Hotel, in welchem jedes Zimmer nach dem Titel eines berühmten napolitanischen Liedes benannt und historisch bezugnehmend mit Gemälden und Kuriositäten dekoriert ist.
Neapel sehen und sterben – „Vedi Napoli e poi muori“ – ich als Tedescha bekomme bei diesem berühmten Ausspruch glasige Augen, wobei Pino auch fasziniert ist. Die Italiener sehen ihr „Napoli“ als ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel, was möglicherweise mit dem Vulkan Vesuv zu tun hat, der schon mehrmals in den Himmel gespuckt hat. Und wer weiß, bei aller Magie und Zauberei, fiel dabei Napoli vom Himmel…
Wir gucken beim Abendessen in den Sternenhimmel, Vespas knattern vorbei, Vino bianco steht auf dem Tisch, ich esse Spaghetti und denke an Susi & Strolchi und deren Lied „Bella notte“. Pino ist sichtlich zufrieden und erzählt mir bei Vongole & Pizza, dass in Napoli sein „Mezzogiorno“ anfängt. Damit ist Süditalien gemeint, abgeleitet von „mezzo“ (halb) und „giorno“ (Tag), in Bezug auf den Stand der Sonne zur Mittagszeit. Und von hier ist es ein wahrlich guter Ausgangspunkt, weiter in den Süden, in die Basilikata, zu reisen.



2.Tag Neapel
Napoli muss man ge- und erschmeckt haben. Die Pizza ist hier erfunden worden. Mir fällt ein berühmter Sohn dieser Stadt ein, Enrico Caruso, der einmal sagte: „Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht um zu singen, sondern um Pizza zu essen.“
Also gehen Pino und ich in die älteste Pizzeria Italiens, in die „Antica Pizzeria Port´Alba“, um die berühmten Teigfladen-Botschafter a la Napoletana und Margherita zu probieren. Wir essen aus der Hand im Stehen, Pomodori (Tomaten) und Olivenöl rumkleckernd, dazwischen sind Laute wie „buono, incredibile und molto gustoso, schmatzend zu hören. „Maccheroni und die anderen Pastasorten müssen wir auch noch essen, schließlich ist in Neapel die Nudelmaschine erfunden worden“, ereifert sich Pino und setzt nach: „und dann gehen wir wieder in die Kaffeebar von gestern, wo es auch die Sfogliatelle, eine Blätterteig-Spezialität mit Ricotta gefüllt, gibt.“ Mangia, mangia geht es mir durch den Kopf und ich zerschmelze bei dem Gedanken, dass Mama Angela dies immer wieder sagt, um auf ihre Weise Liebe auszudrücken. „Si Pino, wir essen Napoli auf, damit wir Mama davon berichten können. Sie wäre bestimmt unglücklich, wenn wir dünn von unserer Reise zurückkämen.“
Sehr gut gesättigt und mit einer prall gefüllten Provianttüte, voll mit kleinen frittierten Pizzen „pizzetta fritta“ und einer Pizza Margherita a portafoglio, welche zum Mitnehmen, viermal gefaltet und in Papier gewickelt ist, quasi Italo-Fast Food aus der Hand in den Mund, fahren wir endlich los.
Es ist ein Gewusel und Gewühl, aus Neapel, der bevölkerungsreichsten Stadt, nach Rom und Mailand, der Hauptstadt Kampaniens, heil und unverbeult mit unserem kleinen schwarzen Fiat 500 wieder rauszukommen. Pino hatte sichtlich Spaß, sich mal wieder mit seinen Landsleuten per Hupe und geschicktem Manövrieren einen Adrenalinkick zu verpassen und unterstrich dies mit wilden Gestikulieren sowie mit verbalen Ausdrücken, die ich hier nicht wiederholen möchte, aber die doch so zum Schmunzeln waren, dass ich meine leichte Angespanntheit schnell vergaß. Der Verkehr in Neapel gleicht einem chaotischen Blech-Haufen, der allerdings Verwunderlicherweise sich immer wieder selbst entwirrt. „Tedeschi“, die einmal im Auto hier unterwegs waren, rühmen sich noch Jahre danach, dass sie es ohne Blessuren geschafft haben. Bei Italienern bin ich mir nicht so sicher, denn ich habe kein italienisches Auto ohne Schrammen gesehen, vielleicht sind es „Trophäen.“
…scharfes Bremsen, wir lassen unser „macchina“ im Halteverbot zurück, „Ohne pummarola fahren wir nicht weiter“, entscheidet Pino spontan und is(s)t schon im Ristorante „Loggia del Paradiso“ verschwunden. Ich als Fragezeichen hinterher, noch immer grübelnd was pummarola wohl sei. Pino ist bereits im Gespräch mit der Köchin vertieft, mit dem Hinweis dies wäre eine gustatorische Rotlichtprobe und so bekommen wir die San Marzano Tomaten als Suppe, Salat und Paradiso-Garnitur auf einem Saltimbocca, jenem Schnitzel, das übersetzt „spring in den Mund“ heißt, serviert. „Ej, Du bist zum Vergnügen hier, mangia, Du wirst zuhause noch von diesen aromatischen Pomodori träumen.“
Er hat Recht, noch immer habe ich die geschmacklichen Erinnerungen an Neapel auf dem Gaumen, an jede einzelne Spezialität. Jede Pizza und Pasta in Berlin muss sich an diesen Größen messen. Mein Fazit: Als Tedeschi, ohne italienische Begleitung, landet man meistens bei geschmacklosen, überteuerten Touristenmenüs zuzüglich schlecht gelaunten Kellnern und viel Nepp. Zusammen mit Pino, lerne ich die wahre süditalienische Küche, die Traditionen und die Menschen kennen. Und allein dafür schon, bin ich ihm dankbar.

Rose Marie Donhauser


Weitere interessante Artikel:

das Golf Mekka Südafrika mit über 400 Golfplätzen über ganz Südafrika
Ferienvermietung
"1001" Golf Holes" - Reiseführer zu den Heiligtümern des Golfsports
Globetrotter Kramski besucht Golfschule in Thailand
Pino, seine Mama & ich

Das könnte Sie auch interessieren:


Warning: MagpieRSS: Failed to parse RSS file. (Mismatched tag at line 102, column 8) in /var/www/web0/html/geldmaschine/magr1/rss-feeds/rss_fetch.inc on line 238

Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /var/www/web0/html/geldmaschine/magr1/rss-feeds/feedreader.php on line 7

Autoren-Login:





 

Möchten auch Sie einen eigenen Text verfassen, so klicken Sie einfach auf ARTIKEL SCHREIBEN.

 

 

 [ RSS-Feed »Monte Verde Tipps « abonnieren